Teil 3: Das Phantom der Versorgungssicherheit – Warum der Windkraft-Überfluss im Harzvorland wirtschaftlicher Irrsinn ist

Die Energiewende im Großraum Braunschweig wird vor allem an einer Kennzahl gemessen: installierte Megawatt. Geht es nach dem Regionalverband Großraum Braunschweig (RGB), kann der Ausbau gar nicht schnell genug gehen. Doch ein genauer Blick auf die realen Daten zeigt, dass wir in unserer Region längst auf eine wirtschaftliche Sackgasse zusteuern. Eine Auswertung des offiziellen Marktstammdatenregisters im Vergleich zu den tatsächlichen Verbrauchswerten offenbart eine massive, planlose Überkapazität – mit fatalen Folgen für das Stromnetz und die Geldbörsen der Steuerzahler.

Das nackte Zahlen-Paradoxon: Installierte Leistung schlägt Verbrauch um das Zehnfache

Wer die offiziellen Zahlen analysiert, stößt auf ein absurdes Missverhältnis. Trägt man die im Landkreis Wolfenbüttel und den angrenzenden Regionen installierte Windkraftleistung aus dem Marktstammdatenregister zusammen und vergleicht diese mit der realen, maximalen Netzhöchstlast – also dem tatsächlichen Spitzenverbrauch an Strom, den Bürger, Industrie/ Gewerbe und kommunale Einrichtungen laut dem Avacon Energiemonitor überhaupt abnehmen –, wird das Ausmaß der Fehlplanung sichtbar.

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Im Landkreis Wolfenbüttel sind (Stand August 2026) bereits rund 455 Megawatt an Windkraftleistung installiert. Demgegenüber steht ein regionaler Spitzenverbrauch von gerade einmal rund 45 Megawattstunden. Die installierte Leistung übersteigt den tatsächlichen Höchstverbrauch vor Ort somit phasenweise um das Zehnfache.

Das bedeutet: Wenn im Harzvorland eine kräftige Brise weht, erzeugen die bestehenden Windindustrieanlagen ein Vielfaches dessen, was vor Ort überhaupt abgenommen werden kann. Und trotz dieser gewaltigen, realen Überkapazität treibt die Politik den Bau weiterer Riesenanlagen unaufhaltsam voran – weitere 190 Megawatt an Nennleistung befinden sich bereits in Planung.

Das Dilemma der Windflaute: Zehnmal Null bleibt Null

Die Befürworter des Ausbaus argumentieren oft, man müsse mehr Anlagen bauen, um auch bei schwachem Wind genügend Strom zu erzeugen. Doch rein physikalisch ist das ein Trugschluss. Das Kernproblem der Windenergie ist ihre fundamentale Wetterabhängigkeit und Volatilität.

Wenn eine großräumige Flaute – eine sogenannte Dunkelflaute – über Norddeutschland liegt, steht die Stromproduktion still. In diesen Momenten nützt es überhaupt nichts, die Anzahl der Windräder zu verdoppeln oder zu verdreifachen: Zehnmal Null bleibt nun einmal Null. Die gigantische Überkapazität existiert also nur auf dem Papier und in Momenten von Starkwind, liefert aber keinerlei Beitrag zur echten, verlässlichen Grundlastfähigkeit unseres Stromnetzes.

Geisterstrom und Abregelung: Bezahlen fürs Nichtstun

Wohin also mit dem ganzen Strom, wenn der Wind weht, aber die Netze in Salzgitter, Goslar und Wolfenbüttel bereits gesättigt sind? Weil großtechnische Speicher nach wie vor fehlen, müssen die Anlagen regelmäßig zwangsabgeregelt, also abgeschaltet werden, um einen Kollaps der Stromnetze zu verhindern.

Das Absurde daran: Die Betreiber der Windparks erleiden dadurch keinen finanziellen Schaden. Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) steht ihnen für den sogenannten „Geisterstrom“ – also für Energie, die nie erzeugt und nie verbraucht wurde – eine Entschädigung zu. Die Anlagen verdienen Geld fürs Stillstehen.

Der Milliarden-Irrsinn: Redispatch-Kosten explodieren

Die Kosten für diese künstlichen Eingriffe zur Netzstabilisierung fallen unter den Begriff Redispatch. Weil die Netze den überflüssigen Strom aus dem Norden und unserer Region nicht in die Verbrauchszentren im Süden transportieren können, müssen Betreiber im Norden heruntergeregelt und im Süden gleichzeitig konventionelle Kraftwerke teuer hochgefahren werden.

Diese Kosten belaufen sich bundesweit längst auf mehrere Milliarden Euro pro Jahr. Und wer bezahlt diesen logistischen und wirtschaftlichen Irrsinn? Die Kosten werden eins zu eins auf die Netzentgelte umgelegt. Somit zahlen die Bürger in Wolfenbüttel, Goslar und Salzgitter über ihre ohnehin schon rekordhohen Stromrechnungen direkt für die Planwirtschaft vor ihrer Haustür.

Fazit: Klimaschutz braucht wirtschaftliche Vernunft

Der ungebremste Ausbau der Windkraft im RGB ist ein ökonomisches Eigentor. Solange keine ausreichenden Speicher und Stromtrassen vorhanden sind, verbrennt jede neu installierte Anlage im Harzvorland lediglich das Geld der Steuerzahler und Verbraucher, ohne die Versorgungssicherheit auch nur um ein einziges Megawatt zu verbessern. Eine verantwortungsvolle Energiepolitik darf die Augen vor der physikalischen und wirtschaftlichen Realität nicht verschließen.

Kontakt zum Kreisverband